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Neue Professorin an der Fakultät B+U: Prof.´in Dr.-Ing. Martina Flörke im Interview

Dienstag, 19. März 2019

In Nachfolge von Prof. Dr. rer. nat. habil. Andreas H. Schumann übernimmt Prof.'in Dr.-Ing. Martina Flörke (ehemals Universität Kassel) den Lehrstuhl für Ingenieurhydrologie und Wasserwirtschaft. Zum Start beantwortete sie dem PR-Team der Fakultät Fragen rund um ihre Forschungsgebiete, ihre Motivation und ihre Zukunftspläne.

Bevor Prof.´in Dr.-Ing. Martina Flörke am 01.02.2019 ihre Arbeit am Lehrstuhl für Ingenieurhydrologie und Wasserwirtschaft antrat, leitete sie die Forschungsgruppe "Global and Regional Dynamics" (GRID) am Center for Environmental Systems Research der Universität Kassel. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, die Folgen des globalen Wandels für die Umwelt und die Gesellschaft zu identifizieren und zu quantifizieren, insbesondere in Bezug auf die Quantität und Qualität von Oberflächengewässern. Das Hauptziel ist es, Strategien zu entwickeln, die helfen, negative Auswirkungen zu vermeiden. Des Weiteren arbeitete sie als leitende Wissenschaftlerin an der Entwicklung des globalen Wassermodellierungssystems WaterGAP3. Prof.´in Dr.-Ing. Flörke sammelte umfangreiche Erfahrungen in internationalen und europäischen Forschungsprojekten und war an einer Reihe von interdisziplinären Projekten beteiligt, die sich mit Szenario-Assessments (z. B. "Millennium Ecosystem Assessment", "Global Environment Outlook 4") sowie Wasser- und Klimafragen befassen. Das PR-Team der Fakultät wollte mehr über ihre Person erfahren und stellte ihr Fragen rund um Forschung, Studium und Zukunftsperspektiven.

Mit welchen Forschungsgebieten setzen Sie sich fortan genau auseinander?

Ausgangspunkt meiner Arbeiten ist die Hypothese, dass die anthropogene Beeinflussung des Wasserkreislaufs durch Wassernutzung und -verschmutzung von weitreichender Bedeutung für die künftige Verfügbarkeit dieser Ressource ist. Zu viele Nährstoffe und Chemikalien in der Umwelt gefährden die Ernährungssicherheit, die Gesundheit von Menschen und Ökosystemen. Schadstoffe aus Punkt- und diffusen Quellen finden sich in Fließgewässern und im Grundwasser und stellen eine Herausforderung für das Wassermanagement dar. Modell- und datengetriebene Studien unterstützen ein besseres Verständnis der Interaktion verschiedener Wassernutzungssektoren sowie die Charakterisierung von Schadstoffquellen und Eintragspfade, des Verbleibs und des Verhaltens von Stoffen in Oberflächen- und Grundwasserkörpern. Modelle helfen „Hotspots“ zu identifizieren, die Auswirkungen zu bewerten und Lösungen zu entwickeln, um Wasserknappheit oder -verunreinigungen zu reduzieren oder zu verhindern.

Mein zweites Forschungsfeld umfasst die Anwendung der entwickelten Modelle z.B. auf Fragestellungen der nachhaltigen Nutzung der Ressource Wasser unter Bedingungen des globalen Wandels. Globaler Wandel und die daraus resultierenden Folgen für Mensch und Umwelt verlangen die Entwicklung von Lösungsstrategien zur Anpassung und Mitigation. Trinkwasseraufbereitung, Wasserversorgung, Abwasserableitung und Abwasserreinigung sind Maßnahmen, die zur Erreichung des Ziels unumgänglich sind, jedoch eine umfassende Bewertung von Belastungen und sich auswirkende Folgen bedürfen.

Ich habe in den letzten 10 Jahren an der Entwicklung des globalen Wassermodells WaterGAP3 gearbeitet und möchte das Modell an meinem Lehrstuhl weiterentwickeln, um das Modell skalenübergreifend, von der regionalen bis zur globalen Skala, anzuwenden. Viele Fragestellungen rund um das Thema Wasser sind überregional oder global zu verorten, wie z.B. große Überleitungen zur Stadtversorgung oder Lebensmittelproduktion.


Wie sind Sie zum Ingenieurwesen gekommen? War es von klein auf Ihr Plan, in ein technisches Arbeitsfeld zu gehen?

Eigentlich bin ich auf Umwegen zum Bauingenieurwesen gekommen. Ich hatte eigentlich vor, Architektur zu studieren, fand dann aber den Umgang mit Zahlen und Technik viel interessanter. Zudem bin ich familiär vorbelastet, denn sowohl mein Vater als auch mein Bruder waren Bauingenieure. Wenn es zu Hause etwas zu bauen gab, war ich immer dabei. Das hat mich geprägt.

Für mich bedeutet Ingenieurwesen „planen, lösen, umsetzen“. Die Themen sind komplex und interdisziplinär, die Lösungen verlangen umfassende und systemische Betrachtungen, die Umsetzung bedarf transdisziplinärer Formate. Diese Mischung finde ich sehr spannend und die Ingenieurwissenschaften eignen sich hervorragend, um in diesen Aufgabengebieten zu arbeiten oder zu forschen.


Was sind Ihre Tipps für ein erfolgreiches Studium?

Man sollte das tun, was man tun möchte, sich konkrete Ziele setzen und neuen Herausforderungen stellen. Ein Blick über den „Tellerrand“ hinaus ist oft sehr lohnend.


Stichwort Zukunftspläne: Was möchten Sie in den nächsten Jahren unbedingt verwirklichen?

Im Bereich der Forschung strebe ich natürlich die Weiterentwicklung des Modells an, um hydrologische und wasserwirtschaftliche Fragestellungen auf unterschiedlichen Skalen beantworten zu können. Insbesondere möchte ich die Simulation neuer Substanzen in Oberflächengewässern und ihre Auswirkungen auf aquatische Ökosysteme und menschliche Gesundheit vorantreiben. Kleinskalige Prozesse sind dabei großmaßstäblich zu skalieren; dies ist eine methodische Herausforderung.

Im Bereich der Lehre möchte ich die Bedeutung der Ressource Wasser hervorheben, denn sie steht im Mittelpunkt der nachhaltigen Entwicklung und ist wichtig für sozioökonomische Entwicklungen, für Ökosysteme und die Gesundheit der Menschen. Systemisch betrachtet steht Wasser aber auch im Fokus der Anpassung an den Klimawandel und ist das entscheidende Bindeglied zwischen dem Klimasystem, der menschlichen Gesellschaft und der Umwelt.

Die Fakultät heißt Prof.´in Dr.-Ing. Martina Flörke herzlich willkommen!


Prof. Dr.-Ing. Martina Flörke

Am 13.02.2019 erhielt Prof. Dr.-Ing. Martina Flörke ihre Ernennungsurkunde aus den Händen des Rektors Prof. Dr. Axel Schölmerich, im Beisein des Prodekans Prof. Dr.-Ing. Peter Mark.