Die Gesundheit von Bauwerken im Blick: Interview mit Juniorprofessorin Dr.-Ing. Inka Müller

Seit Januar 2018 ist Dr.-Ing. Inka Müller Juniorprofessorin für Structural Health Monitoring an der Fakultät B+U. Bereits jetzt blickt die Nachwuchswissenschaftlerin auf eine regelrechte Bilderbuch-Karriere zurück: Nach dualem Bachelorstudium an der Universität Siegen und in der Entwicklungsabteilung der SMS group GmbH (ehemals SMS Siemag AG), absolvierte sie ihre Promotion am Lehrstuhl für Mechanik und Regelungstechnik – Mechatronik an der Universität Siegen – dies alles mit herausragenden Ergebnissen. Im Rahmen ihres Masterstudiums hatte sie zudem Gelegenheit, ihren kulturellen Horizont während eines Auslandsstudiums in Tokyo und eines Gastaufenthalts in Yokohama zu erweitern. Danach lernte sie als Referentin bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Bereich Materialwissenschaft und Werkstofftechnik die Wissenschaft aus Sicht der Forschungsförderung kennen. Dass sie trotz beeindruckender Fachkompetenz und Zielstrebigkeit nicht zum Lachen in den Keller geht und auch neben dem Fachlichen einiges zu erzählen hat, bewies sie in dem folgenden Kurzinterview.


Sie haben im vergangenen Wintersemester eine Juniorprofessur für Structural Health Monitoring hier an der Fakultät übernommen. Was versteht man darunter und wie fügt sich dieses Fachgebiet in das Forschungsprofil der Fakultät ein?

Structural Health Monitoring (SHM) hört sich immer so nach "Gesundheit" an, nicht wahr? Nun, im Grunde genommen ist es das auch – es geht um die Gesundheit von Strukturen, die kontinuierlich überwacht werden – also gemonitored, wenn Sie dieses Denglisch entschuldigen. Als Strukturen werden Systeme wie Brücken, Gebäude, Tunnel, aber auch Rohrleitungen, Windkraftanlagen oder Flugzeuge verstanden. Für die Zustandsüberwachung von Strukturen und Bauwerken über einen längeren Zeitraum nutzen wir SHMler permanent installierte Sensorik zur Datenaufnahme und entwickeln automatisierte Methoden der Datenauswertung um eine Auskunft über den aktuellen Zustand, mögliche Schäden und Schadensorte etc. geben zu können. Die Methoden, die zu dieser Strukturüberwachung genutzt werden, sind mannigfaltig. Schwingungs- und wellenbasierte Methoden sowie insbesondere die Erforschung intelligenter Datenauswertemethoden bilden den Fokus meiner Arbeit und fügen sich exzellent in das Forschungsprofil der Fakultät ein. So sehe ich sowohl Anknüpfungspunkte im Bereich des maschinellen Tunnelbaus, als auch bei der Überwachung und Lebensdaueranalyse von Spannbetonbauwerken, Stahl- und Verbundbauten. Ein Ursprung des SHM ist die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung, sodass ich auch hier vielversprechende Kooperationen in der Fakultät erwarte.

Wie sind Sie zum Ingenieurwesen gekommen? War es von klein auf Ihr Plan, in ein technisches Arbeitsfeld zu gehen?

Zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, war für mich immer interessant, aber nicht das Interessanteste. Tage, an denen ich zufrieden auf mein Tagwerk blicke, sind insbesondere die, an denen ich den Eindruck habe, etwas zu tun, was für unsere Gesellschaft gut ist bzw. sich in Zukunft positiv auswirken könnte. Die Ingenieurwissenschaften eignen sich dafür hervorragend. Grundlagenorientierte Forschung der Ingenieure generiert Erkenntnisgewinn, der für die Anwendung und damit unsere Gesellschaft einen Nutzen bringen kann und soll. Aus diesem Grund habe ich mich für ein ingenieurwissenschaftliches Studium und später für den Verbleib in der Wissenschaft entschieden.
Nun und was heißt "von klein auf"? Es hätte vielleicht auch Physik oder Informatik werden können – jedenfalls hatte ich nie das Ziel Industriekauffrau, Fremdsprachenkorrespondentin oder Grundschullehrerin zu werden – um mal ein bisschen die Klischees zu bemühen.


Stichwort Zukunftspläne: Was möchten Sie in den nächsten Jahren unbedingt verwirklichen?

Mein großes Ziel ist es, SHM-Systeme für die Anwendung fit zu machen. Ein schwerwiegendes Problem beispielsweise für die Zertifizierung liegt derzeit noch in der Quantifizierung der Zuverlässigkeit dieser Systeme. Dieses Problem verfolgt mich nun schon seit einigen Jahren, sodass ich hier unbedingt im Sinne des Nutzens für unsere Gesellschaft an neuen Methoden, die Zuverlässigkeit zu betrachten, forschen und diese zum Erfolg bringen möchte. Im Bereich der Forschung strebe ich außerdem an, SHM Systeme zu entwickeln, die robuster sind, da viele Methoden, die im Labor hervorragend funktionieren in der realen Anwendung an ihre Grenzen stoßen.
Nicht zuletzt ist mir eine gute Lehre sehr wichtig. Ich möchte unsere Studierenden so unterrichten und betreuen, dass sie SHM Systeme, die Ihnen beispielsweise in einem Brückensanierungsprojekt angeboten werden, beurteilen können. Unsere Studierenden von heute werden – angeregt von Schlagworten wie Digitalisierung und zustandsbasierte Überwachung und Wartung – in Zukunft deutlich stärker über den kompletten Bauwerkslebenszyklus mit Monitoringstrategien konfrontiert sein. Dafür möchte ich unsere Studierenden bestmöglich vorbereiten.