Wie entstehen extreme Hochwasser?

Wie entstehen extreme Hochwasser? - DFG bewilligt die Forschergruppe "Space-Time Dynamics of Extreme Floods (SPATE)"

Montag, 12. Dezember 2016

Das Weihnachtsfest vor 23 Jahren ist für über 100.000 Bürger der Stadt Köln sicher noch in schlechter Erinnerung, waren sie doch 1993 von einer Überflutung der Altstadt und weiterer Stadtteile betroffen. Diese Katastrophe war der Beginn einer Reihe extremer Hochwasserereignisse, die in den folgenden 20 Jahren in weiten Teilen Deutschlands Milliardenschäden, aber auch Todesopfer und viel menschliches Leid zur Folge hatten. Im Jahr 1995 trat wiederum der Rhein über seine Ufer, 1997 wurde der Oderbruch überflutet, in den Jahren 1999, 2002, 2005, 2006 und 2013 traf es das Flussgebiet der Donau und in den Jahren 2002, 2006 und 2013 das Gebiet der Elbe.

Warum traten derart extreme Hochwasser in den letzten zwei Jahrzehnten so gehäuft auf? Was führt eigentlich zu diesen extrem hohen Abflüssen und wie können wir diese Naturgefahr abschätzen? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich die Forschergruppe „Space-Time Dynamics of Extreme Floods (SPATE)“, deren Einrichtung der Senat der DFG im Rahmen seiner Wintersitzung vor wenigen Tagen beschlossen hat. In sechs großen Flussgebieten in Deutschland und Österreich werden die Entstehungsbedingungen extremer Hochwasser systematisch untersucht, um auf dieser Grundlage die Unterschiede zu den „normalen“ Hochwasserereignissen herauszuarbeiten. Dabei werden regionale Besonderheiten, wie z.B. die hochwasserverursachenden Großwetterlagen oder der Einfluss der Alpen ebenso berücksichtigt wie die summarische Wirkung vieler lokaler wasserbaulicher Veränderungen. Im Ergebnis dieser Ereignisanalysen werden mit Hilfe deterministischer Simulationsmodelle und stochastischer Verfahren neue Erkenntnisse zu den Abläufen hydrologischer Prozesse im Extrembereich, zu nichtlinearen Abhängigkeiten und Rückkopplungen zwischen den natürlichen Systemen „Atmosphäre“ und „Flussgebiet“ sowie zur Wirkung anthropogener Einflussfaktoren gewonnen werden, die dann in neue probabilistische Ansätze zur Beurteilung der Hochwasserrisiken einfließen sollen.

Unter dieser Zielstellung werden in der Forschergruppe Wissenschaftler/Innen aus den Fachdisziplinen Hydrologie, Meteorologie, Wasserbau, Statistik, Agrarwissenschaften und Umweltgeschichte zusammenarbeiten, die an den Universitäten Bochum, Hannover, Stuttgart, Mainz und der TU Wien, aber auch am Geoforschungszentrum in Potsdam und dem Umweltforschungszentrum in Halle forschen. Die DFG- Förderung in der ersten, über drei Jahre laufenden Förderperiode beträgt 2,2 Mio €, weitere 0,4 Mio € steuert der österreichische Wissenschaftsfonds bei.

Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. Andreas H. Schumann, Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der Ruhr- Universität Bochum.



Foto: Hochwasserschutzzentrale Köln