Qualifizierungsstipendien an syrische Ingenieure

SFB 837 vergibt Qualifizierungsstipendien an syrische Ingenieure

Dienstag, 9. August 2016

Was kann eine Universität dafür tun, Zuwanderern aus Krisengebieten eine neue Perspektive, eine bessere Zukunft zu geben? Was können ihre individuellen Einrichtungen dafür tun?
Im Sommersemester 2016 vergibt der DFG-geförderte Sonderforschungsbereich 837 – Interaktionsmodelle im maschinellen Tunnelbau an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften erstmalig ein Stipendium zur Sicherung des Lebensunterhaltes an zwei besonders qualifizierte Studierende. Ghina und Jehad Jezdan, ein syrischstämmiges Geschwisterpaar, kamen 2014 nach ihrem Bachelorstudium im Fach Bauingenieurwesen nach Deutschland. Seit dem WS 2015/16 studieren sie nun den internationalen Masterstudiengang Computational Engineering, der – mit einem Schwerpunkt auf numerischer Mathematik und computergestützten Simulationen – besondere Anforderungen an die Studierenden stellt.

Als Beitrag zur Integration von zugewanderten Wissenschaftlern aus Krisengebieten, will die DFG explizit deren Mitarbeit in Forschungsprojekten erleichtern. „Laut einer Mitteilung der DFG von Dezember 2015 können ‚[a]lle Projektleitungen und auch die Hochschulen […] Zusatzanträge stellen, um qualifizierte Kandidaten – angehende oder promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – in bereits geförderte DFG-Projekte einzubinden.‘ Als wir diese Info von der DFG erhielten, war für den SFB-Sprecher Prof. Günther Meschke und mich klar: Wir würden Geld in die Hand nehmen, um aktiv die Lebensbedingungen in Frage kommender Studierender zu verbessern“, erklärt Jörg Sahlmen, Geschäftsführer des SFB 837. Da er außerdem Koordinator des internationalen Studiengangs Computational Engineering ist, war das Procedere einfach. „Wir begutachteten die Leistungen der Studierenden mit entsprechendem persönlichen Hintergrund und führten Gespräche mit den besten Kandidaten. Ghinas und Jehads Leistungen hoben sich deutlich von denen der anderen Mitstudierenden ab.“ Seit Juni 2016 erhalten nun beide ein monatliches Stipendium, das es ihnen ermöglicht, sich voll auf das Studium zu konzentrieren, ohne nebenbei arbeiten zu müssen. Besonders für Ghina ist das eine wichtige Unterstützung, da sie zugleich einen kleinen Sohn zu versorgen hat.

Das Stipendium ist ausgelegt als Qualifizierungsmaßnahme für eine spätere Promotion in einem der Fachbereiche des Sonderforschungsbereichs. „Es gibt sogar schon Professoren, die an einer Anstellung der beiden Stipendiaten interessiert sind“, so Sahlmen. Ein Beispiel zur Integration und Zukunftssicherung von Menschen aus Krisengebieten, das hoffentlich Schule macht.